Vereinsgeschichte


Aus der Geschichte des Karnevalsvereins "So war noch nix 1847" Ottweiler e.V.

,,Es bildet sich in hiesiger Stadt eine Gesellschaft unter dem Namen ,,So war noch nix“, welche den Zweck hat, sich bei abendlichen Zusammenkünften durch humoristische Vorträge, Gesänge p. p. zu unterhalten und an den Tagen des Carnevals öffentliche Aufzüge, soweit solche von Polizei wegen gestattet sind, zu veranstalten.“
So lautet der § 1 der Statuten der Ottweiler Karnevalsgesellschaft ,,So war noch nix“ vom 8. 1. 1859, die - ebenso wie eine Neufassung aus dem Jahre 1891 - noch im Original vorhanden sind.
Dass die Gesellschaft zu diesem Zeitpunkt bereits eine Reihe von Jahren bestanden hat, nämlich seit dem Jahre 1847, hat der Amtsrichter Noelle als Vorsitzender des Königlichen Schöffengerichts zu Ottweiler am 5. März 1891 in einer Urteilsbegründung festgestellt.
Zu dieser Gerichtsverhandlung kam es, weil der Vereinswirt des ,,So war noch nix“, Ludwig Sauer (Sauersch Louis), angeklagt war - gegen die polizeiliche Strafverfügung hatte er gerichtliche Entscheidung beantragt -, am 1. Februar 1891 das Verweilen seiner Gäste über die gebotene Polizeistunde hinaus geduldet zu haben; Übertretung des § 365 StGB, für ,,welches als Beweismittel dient: Gendarm Feilhauer, Ottweiler“.
Indessen erkannten der Richter Noelle und seine beiden Schöffen ,,Im Namen des Königs“ für Recht, dass der Angeklagte nicht schuldig sei, und das wird so begründet:
,,An diesem Tage feierte der zu Ottweiler bestehende Carnevals-Verein ,,So war noch nix“ in dem Saale des Angeklagten nebst Vorzimmer bis gegen 2 Uhr nachts ein Fest. Der gedachte Verein ist eine durch Statuten vereinigte Gesellschaft, welche in den Karnevalszeiten ihre regelmäßigen Sitzungen in ihr für die bestimmten Tage ausschließlich vorbehaltenen Räumen abhält und seit dem Jahre 1847 mit einigen Unterbrechungen besteht. ( Es kann mit Sicherheit angenommen werden, dass in den Revolutionsjahren 1848/49 und in den Kriegsjahren 1870/71 keine karnevalistischen Veranstaltungen stattgefunden haben.)
 Sie ist demnach als eine geschlossene Gesellschaft anzusehen. Da der erwähnte Saal für den 1. Februar Abend ausschließlich den Mitgliedern des gedachten Vereins vorbehalten war, so war der Saal für diese Zeit als das Local dieses Vereins nicht für ein öffentliches Local zu erachten. Für ein solches Local einer geschlossenen Gesellschaft gilt aber die Polizeistunde nicht.“
Bei den in der Urteilsbegründung erwähnten Statuten handelt es sich um die 14 Paragraphen umfassende Neufassung vom 30. Januar 1891. Wie aus einer Reihe von Randbemerkungen hervorgeht, hat bei der Abfassung dieser neuen Satzung die alte Satzung aus dem Jahre 1859 als Vorlage gedient. Dabei wurden die meisten Bestimmungen übernommen, wenn auch in etwas geänderter oder vereinfachter Form.
In beiden Satzungen ist bestimmt, dass ein um die Aufnahme in den Verein Nachsuchender - er musste unbescholten und mindestens 24 Jahre (später 21Jahre) alt sein - sich durch ein Mitglied in Vorschlag bringen lassen musste. Über die Aufnahme entschied nach der alten Satzung von 1859 ein Komitee von neun Mitgliedern durch ,,Abstimmung mittels schwarzer und roter Kugeln“. Diese Form der Abstimmung, die sogenannte Ballotage, ist auch in der Satzung von 1891 beibehalten worden, jedoch entscheidet jetzt über die Aufnahme der vierköpfige Vorstand (Präsident, Stellvertreter, Schriftführer und Kassierer), der für die Fastnachtszeit durch drei Beisitzer erweitert wurde.
Das Komitee bzw. der Vorstand entschied aber nicht nur über die Aufnahme in den Verein, die Satzung gestand ihnen auch eine weitgehende Strafbefugnis zu. Das Komitee konnte ,,renitente Mitglieder“ mit einer Ordnungsstrafe bis zu 15 Silbergroschen belegen oder aus dem Verein ausschließen. Für ,,störende Unordnungen eines Mitglieds während der regelmäßigenVersammlungen oder öffentlichen Veranstaltungen sowie Betrunkenheit gleichwie unentschuldigtes dreimaliges Ausbleiben“ musste eine Ordnungsstrafe von zweieinhalb Silbergroschen bezahlt werden.
 In der Satzung von 1891 sind die Geldbußen zwar nicht mehr enthalten, jedoch hatte der Vorstand das Recht, Mitglieder, die ,,sich bei den Veranstaltungen des Vereins betrinken oder sonstwie gegen die Ordnung verstoßen“, aus dem Verein auszuschließen. Eine Einspruchsmöglichkeit ist in beiden Satzungen nicht vorgesehen.
Eine weitere, heute kaum verständliche Bestimmung ist ebenfalls in beiden Satzungen enthalten: ,,Das Einführen von Fremden ist gestattet, dagegen dürfen hiesige Einwohner als Gäste nicht eingeführt werden.“
Auf die Aufnahme der Bestimmung, dass jedes Mitglied in der Versammlung mit der Kappe zu erscheinen hat, ist in der Satzung von 1891 verzichtet worden, vermutlich deshalb, weil dies inzwischen zu einer Selbstverständlichkeit geworden war; denn aus den vorliegenden Protokollen über Sitzungen und Versammlungen ist zu ersehen, dass die Beschaffung von Kappen für die Narren und Käppchen für die Damen sehr oft und ausgiebig erörtert worden ist.
Im übrigen scheinen die Satzungen nicht immer dem Buchstaben getreu befolgt worden zu sein, denn in der Generalversammlung am 13. Januar 1900 wurde z. B. der Beschluss gefasst, sämtliche Mitglieder gemäß § 3 der Statuten einer Ballotage zu unterziehen und ab sofort die Statuten streng zu handhaben.
Bezüglich der Ballotage scheint es allerdings bei dem Beschluss geblieben zu sein.
Die Satzung von 1859 wurde in der Generalversammlung vom 8. Januar beschlossen und von 31 Mitgliedern unterschrieben - zwölf davon haben 1891 bei der Neufassung der Statuten noch gelebt -, die anschließend folgende Mitglieder in das Komitee wählten: Geometer Kiefer, Maurermeister Friedrich Kuntz, Holzhändler Friedrich Reinshagen, Schreinermeister Carl Uhlisch, Maler Philipp Schneider, Weinhändler Israel Albert, Bierbrauer Carl Klein, Geschäftsmann Carl Euler, Gerber Heinrich Wagner jr.
Diese wählten unter sich folgenden Vorstand: Präsident: Philipp Schneider; Vizepräsident: Carl Klein; Schriftführer Carl Euler; Kassierer Israel Albert.
Die Satzung von 1891 ist unterschrieben von August Reinshagen als Präsident, Adolf C. Reinshagen als seinem Stellvertreter, Isaak Haas als Kassierer und Paul Anspach als Schriftführer und wurde von dem damaligen Bürgermeister Erdsiek (,,Der Mannemann, der plackt die Pann, und der Herr Maire, der Hofschissär“) genehmigt ,,mit dem Bemerken, dass die bestehenden Verordnungen wegen der Polizeistunde zu beachten sind“.
Die offiziellen Veranstaltungen des Vereins wurden früher im Pavillon, im närrischen Sprachgebrauch ,,Blieshalla“ genannt - das Gebäude liegt un­mittelbar an der Blies gegenüber der Schlossbrücke (heute St. Remy-Brücke) -, abgehalten. Der Pavillon, durch den Fürsten Wilhelm Heinrich um 1758 als Jagdschloss erbaut, wurde 1820 von dem Geometer Conrad Klein erworben, der ihn 1851 an seinen Sohn, den mehrfach erwähnten Bierbrauer Carl Klein verkaufte, der ihn wiederum 1881 an Louis Sauer veräußerte. Carl Klein baute an der Bliesseite den Saal, der mehrmals, zuletzt 1904 von Louis Sauer, vergrößert wurde. Der Saal wurde im Winter 1938/39 abgerissen. Im Erdgeschoss des Pavillons, nach der Stadtseite zu, befand sich die Gastwirtschaft mit der alten Mitgliedern des Vereins wohlbekannten ,,Giftkammer“, einem kleinen Zimmer hinter der Theke, wo Louis Sauer Fastnachtsutensilien aller Art zum gelegentlichen Gebrauch für seine Vereinsbrüder aufbewahrte (,,Louis, gäbb mr emol e Nas!“).

Wo die Gründungsversammlung des Vereins stattgefunden hat, kann heute mit Sicherheit nicht mehr gesagt werden. Es ist aber wahrscheinlich, dass der Pavillon seit 1851, in welchem Jahre er von Carl Klein, der die Statuten von 1859 mit unterschrieben hat und damals Vizepräsident war, Vereinslokal gewesen ist. Vor und nach dem zweiten Weltkrieg wurde auch Simons Saal benutzt. Nach dem 2. Weltkrieg fanden Veranstaltungen zunächst in der Turnhalle im Alten Weiher statt, im Kino des heutigen Schlosstheaters und danach - so auch beim 111 jährigen Jubiläum 1958 - stand dem Verein für seine Veranstaltungen mit dem damals schon errichteten Festsaal im städtischen Schlosstheater wieder eine ,,Blieshalla“ zur Verfügung. Das Schlosstheater wurde 1995 an einen Investor veräußert, der es renovierte und die Stadt hat in Teileigentum den Festsaal mit Treppenhaus, Umkleidekabinen und Garderobe wieder erworben. Der Verein feierte die Fastnacht 1996 als ,,Notfastnacht im Exil“ im katholischen Pfarrheim (im Volksmund ,,Vatikan“ genannt) in der Herrengartenstraße mit drei ausverkauften Sitzungen sowie den Lumpen- und Nachthemdenball in der Turnhalle von Steinbach. Das Schlosstheater wurde nach seiner Renovierung am 28. November 1996 eingeweiht. Der Verein hofft, dass mit der renovierten ,,Schlosshalla“ wieder ein Saal zur Verfügung steht, der allen Ansprüchen genügt.

Irgendwelche Bestimmungen über die Herausgabe einer Großmaulzeitung enthalten die Satzungen von 1859 und 1891 nicht. Die erste Großmaulzeitung des Vereins wurde im Jahre 1859 herausgegeben. Dies geht aus einem von Louis Reinshagen im Jahre 1879 handschriftlich angelegten Buch hervor, in das er die von ihm verfassten karnevalistischen Vorträge und Beiträge zur Großmaulzeitung eintrug. Darunter befindet sich auch eine in herrlichen Knüttelversen verfasste ,,Anrede des Redakteurs der Großmaulzeitung an seine närrischen Abonnenten und Abonnentinnen“, die wie folgt beginnt:

,,Geehrte Narren und Närrinnen!

Dieses Blatt besteht jetzt seit zehn Jahren! Ich denke dran mit Freud, wie wir damals schon gemütlich waren in Vergnügen und Einigkeit. Als die erste Nummer ist erschienen von diesem Großmaulblatt, da kamen Narren und Närrinnen und hörten sich dran satt.
Der Abonnenten waren 's gleich viel, als man den Inhalt hörte;
            denn nichts setzt dieses Blatt aufs Spiel,
            ,s gab niemand noch, der sie störte.
            Sie brachte schon von vornherein
            Politisch, Vermischtes, Anzeigen,
            schenkte jedem Narren klaren Wein
         und brachte schon manchen zum Schweigen.“

Die ältesten, im Besitz des Vereins befindlichen Großmaulzeitungen stammen aus den Jahren 1884, 1893, 1895 und 1897. Auf ihnen findet man schon das Bildnis der ,,ald Sponheimersch“, die zu einem Symbol der Ottweiler Fastnacht geworden ist und deren überlebensgroßer Kopf aus Pappmaché bei keinem Umzug fehlen darf. Der närrischen Überlieferung nach soll sie eine boshafte Weibsperson gewesen sein, die ihrer Abneigung gegen das närrischeTreiben auf recht drastische und absonderliche Art Ausdruck verlieh, wobei der ,Potschamber“ eine unrühmliche Rolle spielte. Die Narren des ,,So war noch nix“ haben ihr dafür auf ihre Weise ein bleibendes Denkmal gesetzt.

Schon damals wurde die Großmaulzeitung im ,,Dampfschnellpressendruck“ der närrischen Hofdruckerei hergestellt, hatte die Tendenz ,,höchst närrisch“ oder ,,pudelnärrisch“ und trug das Motto ,,Du sollst nicht lügen“ oder ,,Mensch, ärgere dich nicht“. Damals schon, genau wie heute, fanden die Beiträge des ,,Organs des Prinzen Karneval zur Bekämpfung der Bosheit, des Dünkels und der Dummheit“ nicht immer den Beifall der ,,Veruzten“, weshalb nicht selten der Schiedsmann - zumeist aber als erste und letzte Instanz -bemüht wurde.

Im Jahre 1893 allerdings wurde gegen Mitglieder des Vereins ein Prozess angestrengt, der in letzter Instanz vom Oberlandesgericht in Köln entschieden wurde. 1892 wurde Ottweiler von einer Typhusepidemie heimgesucht. Alle Laufbrunnen - bis auf den Freidelbrunnen, der den Schlossbrunnen mit Wasser speiste - waren verseucht, und die gerade fertig gestellte Wasserleitung der Brauerei Simon musste die Bürger mit Wasser versorgen. Eine Kommission, der auch der Landrat und der Bürgermeister angehörten, ging die Stadt ab und ordnete die notwendigen Maßnahmen zur Desinfizierung der Gossen und der damals noch in reichlichem Maße vorhandenen ,,Misten“ an. Eine zweite Kommission, diesmal aber aus Mitgliedern des ,,So war noch nix“ bestehend, wiederholte, zum Gaudium der Ottweiler Bürger, während der Fastnachtstage des folgenden Jahres die Infektionsmaßnahmen auf ihre Weise, wodurch sich die Obrigkeit beleidigt fühlte und die ,,Kommissionsmitglieder“ verklagte. Zunächst wurde vom Königlichen Kammergericht in Berlin (Az. 5 610/92) -heute mit dem Bundesgerichtshof zu vergleichen .. am 21. 11. 1892 auf die Revision gegen das Urteil der Strafkammer des Königlichen Landgerichts Saarbrücken vom 9. 8. 1892 für Recht erkannt: ,,dass die Revision der Angeklagten gegen das Urteil der Strafkammer des Königlichen Landgerichts zu Saarbrücken vom 9then August 1892 zurückzuweisen, und jedem Angeklagten die Kosten seines Rechtsmittels aufzuerlegen“ sind. An der Sitzung des Königlichen Kammergerichts zu Berlin haben am 2lthen November 1892 teilgenommen: Senatspräsident Groschuif, die Kammergerichtsräthe Geheimer Justizrath Simon, Ziegler, Kandelhardt und von Uechtritz als Richter sowie Staatsanwalt Dr. Sperling als Vertreter der Staatsanwaltschaft und Referendar Rath als Gerichtsschreiber. Das Verfahren richtete sich gegen den Sattler Adolf Reinshagen, Schneider Ludwig Haas, Bäcker August Wilhelm Friedrich, Bäcker Adolf Kuntz, Kaufmann Ludwig Hellwig, Schneider Ludwig Hubig, Uhrmacher Hermann Reinshagen, Metzger Carl Brenner, Konditor Friedrich Wentzel, Holzhändler Friedrich Braun, Gerber August Reinshagen, Kommis Heinrich Speer, Kommis Wilhelm Daube und Gerber Karl Henn. Das Gericht setzte sich lediglich mit dem Begriff ,,öffentlicher Aufzug“ im Sinne des Vereinsgesetzes vom 11ten März 1850 auseinander. Die Revision wurde deshalb zurückgewiesen, weil der Vorderrichter diesen Begriff nicht verkannt hat und richtig definierte: ,,als ein vereintes Auftreten mehrerer Personen in öffentlicher Vereinigungsform, die sich in demonstrativer Weise kundgibt, und möglicherweise auch den Verkehr hemmen kann. Diese Definition entspricht dem Sinne des § 10 des Gesetzes vom 11ten März 1850 und der konstanten Rechtsprechung“.

Im Betragsverfahren endete der Prozess vor dem Oberlandesgericht in Köln, wo die Ottweiler Narren, vertreten durch einen Kölner Rechtsanwalt, der sich aus Spaß am Jux hierzu zur Verfügung gestellt hatte, mit der Verurteilung zu einer geringfügigen, später im Gnadenwege erlassenen Geldstrafe.
Der glückliche Ausgang des Prozesses wurde mit einer zwei Tage dauernden italienischen Nacht im ,,Mond“ gefeiert.
Leider liegen aus den ersten Jahrzehnten des Bestehens der Gesellschaft nur wenige, meist mündlich überlieferte und daher wenig authentische Nachrichten vor, weil das Protokollbuch aus dieser Zeit, wie aus einem Bericht über die Generalversammlung vom 5. Januar 1895 zu ersehen ist, verbrannt war, weshalb der Schriftführer beauftragt wurde, eine neues Protokollbuch anzulegen. In diesem neuen Buch ist die Geschichte des Vereins ab dem Jahre 1895 ausführlich aufgezeichnet.
Insbesondere vermitteln die Eintragungen der Schriftführer Philipp Haack und Alex Reinshagen, der 1958 beim 111 jährigen Jubiläum noch in Rheinhausen ­Hochemmrich lebte, ein lebendiges Bild der Fastnacht in Ottweiler um die Jahrhundertwende bis zum Ausgang der zwanziger Jahre.
,,Die Versammlung war schlecht besucht“, beginnt die erste Eintragung im Protokollbuch, wo über den Verlauf der oben erwähnten Generalversammlung berichtet wird und woraus zu ersehen ist, dass schlecht besuchte Versammlungen nicht erst eine Erscheinung der modernen Zeit sind.
Am 22. November 1930 erschienen zur Generalversammlung sogar nur elf Mitglieder, die sich gegenseitig in den Vorstand wählten; in der Versammlung vorher waren gar nur sechs anwesend. Allerdings berichtet das Protokollbuch auch von gut besuchten Versammlungen und glänzend verlaufenen Damensitzungen und Bällen, bei denen die Blieshalla oft zu klein war.

Zum Präsidenten für die Session 1895/96 wurde in der Generalversammlung am 12. Januar 1895 der Gerichtsvollzieher Augustin, zum Schriftführer August Haack und zum Kassierer Louis Sauer gewählt, nachdem Präsident Augustin zuvor den Rat erteilt hatte, für den Vorstand nach Möglichkeit ältere, ,,nicht vortragende Narren zu wählen, damit die jüngeren Kräfte geschont werden“. In derselben Sitzung wurde beschlossen, drei Damensitzungen abzuhalten sowie einen großen Maskenzug - zur Feier des 50jährigen Jubiläums - zu veranstalten und ein Komitee mit der Vorbereitung und Durchführung zu beauftragen. (Aus der Niederschrift ist allerdings nicht klar ersichtlich, warum das 50jährige Jubiläum bereits im Jahre 1895 gefeiert wurde.) Prinz ist in diesem Jahre Carl Hoffmann, Prinzessin Wilhelm Tschunky.
Aus den Niederschriften über die vorbereitenden Besprechungen der Veranstaltungen dieses Jahres ist zu ersehen, dass zur damaligen Zeit in Ottweiler noch zwei Karnevalsgesellschaften bestanden haben: die Gesellschaft ,,Mr genn uns nett“ - sie tagte im Tivoli - und die Gesellschaft ,,Mr riskierens emol“. Die erstere erklärte sich, ebenso wie die Vereine ,,Gemütlichkeit“ und ,,Frohsinn“, bereit, mit einem eigenen Wagen am Umzug teilzunehmen. Sie erhielt dafür später beim Kassensturz 10 Mark als Zuschuss aus der Vereinskasse.
Gegen den Wagen der Gesellschaft ,,Mr genn uns nett“ hatte das Komitee allerdings Bedenken wegen der Höhe. Es beschloss, ,,wegen der Höhe der Ausführung für etwa entstehende Unfälle nicht aufzukommen“. Diese Vorsichtsmaßnahme war durchaus gerechtfertigt, denn es wird aus späterer Zeit berichtet, dass einmal ein Wagen, auf dem der Narr Wendel Back in einer Weltkugel thronte, beim Umdrehen am Bahnhof umkippte. Es passierte nichts, aber die Fahrt konnte erst fortgesetzt werden, nachdem Gardisten des 111. Löffelgarderegiments die Weltkugel wieder in ihre vorschriftsmäßige Bahn gebracht hatten.
Zur Finanzierung des Zuges wurde - wie später beim großen Umzug 1928 -eine Liste zur Zeichnung freiwilliger Beiträge angefertigt, die durch ,,alte Narren“ herumgetragen wurde. Bei der Aufstellung des Zugprogramms teilte Präsident Augustin mit, der Bürgermeister Zeitz habe angeregt, auch einen Wagen, die streitigen Bürgermeister der Schwesterstädte an der Saar darzustellend, im Zug mitzuführen. Das Komitee entsprach diesem Wunsche des Stadtoberhauptes und beschloss: ,,Der Musikverein lässt dieserhaib die Bahnsteigsperre (* In dieser Zeit wurden am Bahnhof Ottweiler Bahnsteigssperren eingeführt, eine Neuerung die auch von zahlreichen Büttenrednern zum Gegenstand ihres Vortrages gemacht wurden)vorläufig fallen und macht die Trennung der Bürgermeisterei Stadt und Land“. Dieser Zug war nicht der erste große Zug, den der Verein veranstaltet hatte. Bereits im Jahre 1884 hatte sich, von zahlreichen Zuschauern bewundert, ein aus 29 Wagen bestehender Zug durch die Straßen der Stadt bewegt.
Die Damensitzungen des Jahres 1895 verliefen alle glänzend. Es spielte, wie in den Jahren zuvor, bei allen Veranstaltungen die Kapelle Cano. In der Damensitzung am 17. Februar 1895, an der weit über 300 Personen teilnahmen, brachte Narr Gregorius ,,in Anbetracht des Jubiläums und des Der Verein verfügte zur damaligen Zeit über eine erstaunlich große Anzahl ,,vortragender Narren“. In den Protokollen werden erwähnt: August Haack, Adolf C. Reinshagen, Otto Wachter, Carl Heller, Wendel Back, Isaak Haas, Adolf und Heinrich Lauermann, Louis Presser, Wendel Senz, A. Kramer, Carl
Hoffmann, Robert Flaccus, Fritz Presser, Heinrich Tschunky, Heinrich Schmidt, J. P. Gregorius, Ludwig Kuntz, Julius Petry, Albert Wieland, Emil Theis und Otto Germer.
Die Damensitzungen verliefen zur damaligen Zeit noch anders als heute. Nachdem der Vorstand - von einem Elferrat ist in den Protokollen dieser Jahre nirgends die Rede, er wird zum ersten Mal 1925 erwähnt - Platz genommen und der Präsident die Anwesenden begrüßt hatte, wurde zunächst das Vereinslied des ,,So war noch nix“ gesungen.
Alsdann folgten in vorher festgesetzter Reihenfolge die einzelnen Büttenredner, deren Leistungen entweder sofort oder, um Zeit zu sparen, nach dem letzten Vortrag von dem Präsidenten gewürdigt und gegebenenfalls durch Verleihung von Orden ausgezeichnet wurden.
Dabei war es durchaus nicht so, dass man sich mit dem Text der vorbereiteten und bereits begutachteten Vorträgen begnügte. Von der Möglichkeit, einem Vorredner zu erwidern, wurde häufig Gebrauch gemacht, so daß es mitunter zu regelrechten Rededuellen kam. Zwischendurch wurden Lieder aus dem Vereinsliederbuch gesungen, und am Schluß wurde noch aus der Großmaulzeitung vorgelesen. Es folgte dann eine halb- bis dreiviertelstündige Kaffeepause und die Schlußrede des Präsidenten - in der er die Damen hochleben ließ -, anschließend wurde getanzt.
Die Ottweiler Fastnacht der damaligen Zeit kannte auch noch keine Prinzengarde, kein Funkenmariechen und keinen Funkenmajor. Dafür gab es Mohren, Hanswürste, Pagen, einen Platzkommandanten, fremdländische Offiziere, Hofdamen, einen Hofarzt, einen Mundschenk, Leibjäger usw. Der Maskenumzug am Fastnachtdienstag des Jahres 1895 nahm einen planmäßigen Verlauf. Beim Festball war die Blieshalla bis auf den letzten Platz besetzt.
Zum Vereinspräsidenten für die Session 1895/96 wurde Adolf C. Reinshagen (der Gärtnerkonrad) gewählt. Kassierer und Schriftführer behielten ihre Ämter. Prinz war in diesem Jahr Paul Reinshagen. Für die musikalische Unterhaltung wurde, wie im Vorjahre, die Kapelle Cano verpflichtet. Als Hanswürste fungierten der Schreiner Gerwert und der Friseur Thomas, die für ihre Leistungen besonders gelobt wurden.
In dieser Sitzung scheint es überhaupt recht bewegt zugegangen zu sein; denn über die Erwiderung des Präsidenten Conrad Reinshagen auf den Vortrag des Otto Wachter, der seinerseits wieder dem Präsidenten antwortete, berichtet das Protokoll: ,,Hierbei muß bemerkt werden, daß diese beiden letzten Vorträge eine gegenseitige überaus starke Reiberei war und die Vorträge auf eigene Gefahr des bei Vortrag Nummer 6 dieser Sitzung wieder die Leitung übernommenen Präsidenten Reinshagen gehalten worden sind.“
Präsident Reinshagen entfernte sich nunmehr - wie weiter berichtet wird ­,,ohne nähere Mitteilung“, so dass der Schriftführer Haack nach längerem vergeblichen Warten gezwungen war, mit dem Ruf ,,So war noch nix!“ - der nach diesen Vorkommnissen wirklich am Platze war - die Sitzung zu schließen.
Der Vorfall blieb übrigens nicht ohne Folgen. Präsident Reinshagen legte den Vorsitz nieder, und für den Rest der Session übernahm Schriftführer Haack die Leitung des Vereins.

In den folgenden Jahren (1897) war Friedrich Presser (Molerfritz) Präsident, Wilhelm Rau (Brückenzorn) sein Vertreter, Paul Reinshagen (Hannes) Kassierer und Louis Presser (Herrengartenlouis) Schriftführer. Auch für dieses Jahr wurde die Kapelle Cano verpflichtet, für die Herr Klein (gen. Pfeffer) die Verhandlungen führte - Louis Presser nennt sie deshalb die Kapelle ,,Pfeffer und Guano“ -, jedoch wurde gleichzeitig beschlossen, die Kapelle für die Kappensitzungen nur zu engagieren, wenn sich die Notwendigkeit dazu ergeben sollte. Dies sei, so bemerkte Louis Presser, ein ,,Benefiz für solche Narren, deren Vorträge ohne Musik anzuhören, eine Unmöglichkeit“ ist.
Der Verein scheint in diesem Jahre nicht mehr über so viele Büttenredner wie in den vergangenen Jahren verfügt zu haben. In der Damensitzung vom 17. 1. 1897 wurden zehn Vorträge gehalten, unter anderem ein Vortrag ,,Reorganisation“ von Emil Theis (,,Redner ließ wie üblich seiner Rede freien Lauf und konnte nur mühsam seine Zunge im Zaume halten“), ,,Der geprellte Förster“ von Fritz Presser (,,Redner schildert in bewegten Worten, wie Leibarzt Dr. Weez einen Hasen kurierte“) und ,,Der Kampf mit dem Handschuh“ von Louis Presser. Weiter traten in dieser Sitzung auf Paul Reinshagen, Wilhelm Rau, Karl Hoffmann und Steinmetz. Jedoch seien, so wird berichtet, die Vorträge in dieser und auch in den folgenden beiden Damensitzungen sehr gediegen gewesen. An Fastnachtsonntag wurde ein größerer Maskenzug veranstaltet, und mit einem Hofmaskenball, an dem der ganze Hofstaat geschlossen teilnahm, schloss die Faschingszeit ab.
Für die folgenden drei Jahre sind im Protokollbuch elf Seiten freigehalten, die bis heute aber noch nicht ausgefüllt sind.
In der Generalversammlung vom 13. Januar 1900, über die nur durch eine kurze Eintragung berichtet wird, wurde folgender neuer Vorstand gewählt: Fritz Kremp, Präsident; Paul Keil, Kassierer; Albert Koch, Schriftführer. Weiter wurde beschlossen, drei Damensitzungen und einen Maskenball abzuhalten.
Während der Zeit von 1901 bis 1912 wurde kein Protokoll geführt. Der im Jahre 1912 zum Schriftführer gewählte Alex Reinshagen berichtet aber in einer zusammenfassenden Darstellung, dass, der Verein während dieser Zeit nicht geschlafen, sondern jedes Jahr die üblichen Damen- und Kappensitzungen und an Fastnachtdienstag einen Maskenball abgehalten sowie in den Jahren 1901 und 1911 einen größeren und 1912 einen kleineren Maskenumzug veranstaltet hat“. Dem Verein gehörten in dieser Zeit durchweg hundert Personen an, nur im Jahre 1903 sank die Mitgliederzahl auf 59, im Jahre 1904 sogar auf 32 herab.
Die Finanzen des Vereins waren, wenn man die ,,Kassenstürze“ einmal verfolgt, immer in Ordnung. Ein größeres Barvermögen war zwar zu keiner Zeit vorhanden, meist ging es auf ,,wie auf Matze Hochzeit“. Nur im Jahre 1924 waren 49,50 Franken und 45.000 Mark in der Kasse, die wegen der Inflation aber nichts wert waren.
Ein Defizit gab es im Jahre 1914, weil der Vorstand auf Kosten des Vereins eine Kappenfahrt nach auswärts unternommen hatte, die dem Verein erhebliche Auslagen verursachte. In der längeren ,,Aussprache“ hierüber kam es fast zu einer kleinen Palastrevolution.
Die besten Kassenlage war 1925 zu verzeichnen. In diesem Jahre betrug das Vereinsvermögen 982,45 Franken und 15,70 Dollar. In Anbetracht der guten finanziellen Situation wurde beschlossen, dem Turnverein 200 Franken für die Errichtung eines Kriegerdenkmals (Es handelt sich um das Kriegerdenkmal unter den Kastanien am Bahnhof (Turnerdenkmal) zur Verfügung zu stellen. Die restlichen Franken wurden in Dollar angelegt.
In der Session 19 12/13 setzte sich der Vorstand wie folgt zusammen. Fritz Kremp wurde als Präsident wiedergewählt, sein Vertreter war Albert Koch, Schriftführer wurde Alex Reinshagen und Kassierer der Drogist Beaumont.Louis Sauer wurde einstimmig zum Ehrenvorsitzenden gewählt.

Am Fastnachtsonntag 1913 wurde im Pavillon eine Elf-Pfennig-Woche, verbunden mit einem Jahrmarkt, veranstaltet. Die Veranstaltung war für den Verein ein gutes Geschäft. Sie wurde von etwa siebenhundert Schau- und Kauflustigen besucht, die alle elf Pfennig Eintritt bezahlen mussten.

Im folgenden Jahre (1914) wurde der Vorstand bis auf den Kassierer. Dessen Geschäfte der Schriftführer Alex Reinshagen mit übernahm, wiedergewählt. In einer Nachwahl trat an die Stelle des Präsidenten Fritz Kremp Max Dulzsen. Hugo Wagner wurde sein Vertreter. Die beiden bisherigen Präsidenten Fritz Kremp und Albert Koch wurden einstimmig zu Ehrenmitgliedern des Vorstandes ernannt.

In diesem Jahre fanden nur die üblichen Veranstaltungen statt. Das Haupt­interesse wandte sich, wie aus einem ausführlichen Bericht im Protokollbuch hervorgeht, dem Aufzug der Löffelgarde am Fastnachtsonntag zu.

Die Löffelgarde - in Ottweiler war stationiert eine aus dem 11. und 111. Regiment bestehenden Brigade - rekrutierte sich aus den jungen Leuten der Stadt (im Jahre 1895, auch später, waren es Mitglieder des Turnvereins und des Waffenbrüdervereins, ansonsten wurden sie durch Zeitungsanzeigen und ,,Agenten“ geworben).
Die Löffelgardisten wurden früher in der Woche vor Fastnacht auf der Kegelbahn des Pavillon gemustert und eingekleidet. Die Löffelgardisten alter Art hatten nicht so vornehme Monturen wie die heutigen. Der Waffenrock bestand aus einem schwarzen Gehrock, dessen Vorderteile nach innen eingeschlagen wurden. Kragen und Revers waren mit Goldtressen eingefasst. Darunter wurde eine einfache rote Brust getragen. Eine weiße Hose, Gamaschen und ein Pappdeckel-Tschako, der auf der Vorderseite mit zwei gekreuzten Löffelchen geschmückt war, vervollständigten die Montur. Als Waffe trug der Löffelgardist ein Holzgewehr mit aufgepflanztem Seitengewehr, auf das ein Fastnachtküchelchen - in Ottweiler besser bekannt unter dem Namen ,,Schneiderläppchen“ - aufgespießt war. Die Löffelgarde hatte die Aufgabe, den Prinzen Karneval und seine närrischen Untertanen zu schützen, darüber hinaus die militärische Macht des Prinzen bei Umzügen und ähnlichen Veranstaltungen zu repräsentieren.
Sie holte - so war es früher - seine närrische Hoheit, wenn sie am Fastnachtsamstag um 20.11 Uhr mit einem Sonderzug eintraf, am Bahnhof ab und geleitete sie in die Blieshalla. Am anderen Morgen, in der Frühe des Fastnachtssonntags, wurde Reveille geblasen und die Gardisten eilten zum Dienst. Dieser vollzog sich am Fastnachtsonntag des Jahres 1914 - nach einem Bericht im Protokollbuch - wie folgt:

,,Vormittags 11 Uhr bezog die Wache das Wachlokal auf dem Schlossplatz in der Barbarossaburg und stellte ihre Posten auf Die Mannschaften, lauter frisch ausgehobene junge Narren, machten in den frisch gewaschenen weißen Unaussprechlichen und der übrigen renovierten Equiepierung einen sehr guten Eindruck; drei junge Gardisten, die es teilweise schon auf eine Länge von einem Meter gebracht hatten, marschierten mit der Kolonne und schienen vielversprechende Regimentskinder zu sein.
Nachmittags zwei Uhr rückte das Regiment mit seiner ganzen Stärke auf denSchlossplatz. Musik, Trommler und Pfeifer zogen voraus; der Stab mit der Regimentsfahne sowie die attachierten Offiziere folgten, und die Mannschaften in voller Ausrüstung schlossen sich an. Es entrollte sich bei der Aufstellung ein glänzendes militärisches Bild. Der Oberstkommandierende,
Freiherr von Ranaidini ( Heinrich Rennwald), war herrlich beritten; ebenso die fremdländischen
Offiziere. Nach einigem Warten, lebhafte Bewegung unter den zahlreichen Zuschauern. ,,Stillgestanden!“ ertönte der Kommandoruf Reiter jagten herbei,unter ihnen ein fremder Berichterstatter, Jean P. lyrung aus dem fernen Ostertal.
Dann nahte sich der Prinz. Feurige Rappen führten ihn herbei in schnellster Fahrt. Gut und wohlgenährt sah er aus; herrlich kleidete ihn der moderne lila Zylinderhut, und von Würde redete der große goldene Stern auf seiner Heldenbrust. Se. Hoheit verließ den Wagen, nahm Meldung entgegen, besichtigte das Regiment, nachdem er die Offiziere begrüßt hatte, und ließ dann durch seinen geheimen Kriegssekretär die Gnadenakte, bestehend in Auszeichnungen und Beförderungen, verlesen. Unter anderem kam zur Verlesung, dass der bisherige Ökonomierat und Fürstliche Unkrautvertilgungsinspektor, Otto von Distelkamp (Otto Reinshagen), neben einer gespendeten Auszeichnung zum geheimen Landwirtschaftsminister ernannt worden sei.
Nach Beendigung des Staatsaktes wollte sich seine Hoheit eben entfernen, als zwei als Rastelbinder verkleidete Nihilisten auf den Plan traten, die Gruppe umschlichen, in der sich Seine Närrische Hoheit befand, und mehrere Revolverschüsse auf Höchstdieselbe abgaben. Die Attentäter verfehlten in der Aufregung ihr Ziel und ergriffen die Flucht, wurden aber von den sie verfolgenden Gardisten bald eingeholt und in sicheren Gewahrsam gebracht.
Nach ausgeführtem Parademarsch zog die Truppe auf Umwegen in das Biwak ab, das am Felsenkeller, an Tirentischeuer, aufgeschlagen ward. Im Angesicht zahlreichen Publikums entwickelte sich hier ein sehr angeregtes Lagerleben. Da der erwartete Feind wegen plötzlich eingetretenem Datterich den Vormarsch nicht fortsetzte und ein kriegerischer Zusammenstoß nicht zu erwarten war, rückten unsere tapferen Löffelgardisten nach Beendigung einer interessanten Felddienstübung mit Schießerei gegen Abend nach einem tatenreichen Tage unter klingendem Spiel wieder in ihre Quartiere, um auf den errungenen Lorbeeren auszuruhen.“

Und wenn man frühere und spätere Berichte nachliest, dann kann man feststellen, dass es in den Jahren vorher und nachher genauso war wie an Fastnachtsonntag 1914, und bis auf den heutigen Tag hat Ottweiler an Fastnacht seine Löffelgarde - nur die Gardisten, Hauptleute, Generäle und Hoheiten haben gewechselt.

Während 1914 bis 1918 und den folgenden Jahren ruhte das Vereinsieben völlig. Erst am 4. Februar 1921 trafen sich zum ersten Mal nach dem Krieg wieder Mitglieder des Vereins im Pavillon und beschlossen, ,,trotz der miesen Zeit“, den Versuch zu machen, die Fastnacht in Ottweiler wieder mit Leben zu erfüllen. Der Versuch gelang und ermutigte die Verantwortlichen zu neuen Taten. In den folgenden Jahren blühte das karnevalistische Leben wieder auf, und Jahr für Jahr wurden wieder Kappen- und Damensitzungen und der traditionelle Maskenball - 1924 zum ersten Mal am Rosenmontag -abgehalten.

In der Mitgliederversammlung am 12. Januar 1925 wurde zum ersten Mal ein Elferrat gewählt. Bisher hatte, wie an anderer Stelle bereits geschildert, der Vorstand auch das Präsidium bei Veranstaltungen. In der gleichen Sitzung wurden die verdienstvollen alten Mitglieder Louis Sauer, Fritz Kremp, Albert Koch, Eduard Rau, Fritz Presser, Christian Weingardt, Adolf Conrad Reinshagen, Adolf Presser, Wendel Back, Edmund Rau, Otto Wachter, Louis Presser, Adolf Lauermann, Theodor Stahl, Wilhelm Tschunky, Karl Henn und Wendel Senz zu Ehrenmitgliedern ernannt. Die musikalischen Teile derVeranstaltungen in den zwanziger Jahren bestritten die Kapellen Pfordt, Cisund Senz-Abril.
Zwei Ereignisse sind es, die aus dieser Zeit herausragen: der große Umzug im Jahre 1928 und das, was in die Historie des Ottweiler Karnevals als ,,Die Hundegeschichte“ eingegangen ist.
 
An Fastnachtdienstag 1926 erschien in der Ottweiler Zeitung, der Saar- und Blieszeitung und im Ottweiler Tageblatt folgende zweispaltige Anzeige:

Achtung! Hundebesitzer! Achtung!
Für ein neu gegründetes Zucht-Unternehmen im Saargebiet werden Hunde aller Rassen, jeden Alters und jeder Größe zu kaufen gesucht. Der Ankauf von Hunden in Ottweiler findet heute, Dienstagnachmittag von 4-8 Uhr im Saale der Restauration ,,Tivoli“* statt. Für reinrassige Hunde der Einfachheit halber nach Gewicht; (das Pfund zu 10.- Fr. und höher); für weibliche deutsche Schäferhunde wird 50 % Aufschlag gewährt. Die Hunde müssen an der Leine geführt, sauber gehalten und abgefüttert sein.
Hunde-Zucht-Anstalt A. G.
Der Ankäufer: Peter Servias.

So unglaublich es klingen mag, aber Tatsache ist, dass zum festgesetzten Termin etwa 250 bis 300 Hunde aller Rassen mit ihren Besitzern auf den Aufkäufer Peter Servias warteten. Die meisten waren mit dem Zug aus Neunkirchen und Umgebung gekommen, darunter sogar solche, die die Mittagschicht feierten, anderen gelang es, noch schnell mit einem Kollegen von der Nachtschicht zu tauschen. Aber auch aus dem Ostertal und dem nahen Steinbach war man herbeigeeilt, sogar ein Ortsgendarm war dabei. Noch Tage nachher, so wird berichtet, liefen in Ottweiler herrenlose Hunde herum, die von ihren lieblosen Besitzern einfach zurückgelassen worden waren, und die Stadtgarde hatte alle Schippen voll zu tun, um die Spuren der Hundeversammlung zu beseitigen.
Dass dieser Spaß für die Zeitungen ein gefundenes Fressen war, versteht sich von selbst. Die Saarbrücker Zeitung berichtete damals unter der Überschrift ,,Erste große Hundeversammlung in Ottweiler“ unter anderem folgendes:

,,Daraufhin versammelten sich schon am frühen Nachmittag fast sämtliche Hunde der Stadt in obigem Lokal. Die Züge am Nachmittag waren von Hunden überfüllt. Von nah und fern kamen fein säuberlich Rehpinscher, kleine Spitze, Dackel, Schnauzer, Schäferhunde usw. bis zu den größten Exemplaren. Es waren Tiere dabei bis zu 150 Pfund! Wollten doch diese treuen Haustiere ihren liebevollen Herren in der heutigen armen Zeit den schlaffen Geldbeutel etwas auffüllen. ,Doch mit des Geschickes Mächten ,- Als der größte und schwerste Hund - es war eine deutsche Schäferhündin im Gewicht von 150 Pfund (also 50 % Aufschlag!) - die Sitzung eröffnen wollte, stellte es sich heraus, dass der Dollaronkel (Vorsitzender des Aufsichtsrates der Hund-Zucht-Anstalt A. G.) leider in Humburg den D-Zug nicht erreicht hatte und erst am 24. d. M. abends 8.11 Uhr, hier hätte eintreffen können. Nach Feststellung dieser Tatsache gingen alle Hunde, froh über das nicht zustandegekommene Geschäft, mit ihren tiefbetrübten Herren auseinander. Ein Spaßvogel hatte die Hundebesitzer von Ottweiler und Umgebung glänzend hereingelegt! Wie wir hören, fasst die Ottweiler Polizei den Scherz als groben Unfug auf und will gegen die Urheber einschreiten. Wir möchten die Aufmerksamkeit der Ottweiler Polizeidirektion auf die  ,,Saarl. Karnevals­Zeitung“ aufmerksam machen, in der schwarz auf weiß geschrieben steht, dass seit 1. Februar im Saargebiet Prinz Karneval am Ruder ist!“

Die Ottweiler Zeitung würdigte am folgenden Tage das Ereignis in einem der Aschermittwoch-Stimmung angemessenen Beitrag.
,,Auch unsere Zeitung hatte die Anzeige, die mit falschem Namen unterschrieben war, erhalten. Eine Untersuchung betreffend die Inhaltsangabe war unmöglich, da der Auftrag erst kurz vor Fertigstellung der Anzeigenseite einging. So erfolgte deren Veröffentlichung. Daraufhin erschienen am Dienstagnachmittag viele Hundebesitzer von hier und aus der ganzen Umgebung in der Absicht, ihre Köter gegen angemessene Preise loszuschlagen. Als der festgesetzte Zeitpunkt herannahte, erschien ein, Telegramm“, in dem der Ankauf abgesagt wurde. Nun wurde den Hundebesitzern klar, dass sie genarrt waren. Mit welchen Gefühlen deren Abzug erfolgte, kann man sich denken. Wir sind durchaus keine Feinde des Spaßes, sogar recht derbe können wir genießen, was aber hier geschehen ist, geht weit über das Maß dessen hinaus, was erträglich ist. Wie wir vernehmen, hat die Polizei den Haupttäter, einen hiesigen Angestellten, bereits ermittelt und wird dieser die sich aus der Angelegenheit ergebenden Folgen zu tragen haben. Wir behalten uns vor, entsprechend dem Ergebnis der noch nicht abgeschlossenen Ermittlungen das Weitere zu veranlassen.“ Dieser Vorbehalt gilt heute noch.

In der Mitgliederversammlung am 22. Februar 1926 berichtete der Vorsitzende Alex Reinshagen - ,,ein hiesiger Angestellter“ - über einen Zusammenstoß, den er mit Polizeioberwachtmeister Richter - sicherlich bei dessen Bemühungen, die von der Ottweiler Zeitung erwähnten Ermittlungen voranzutreiben - gehabt hat. Die Versammlung fasste den lobenswerten Beschluss, das Verhalten des Vorsitzenden zu decken.

Im folgenden Jahre (1927) erschien zum ersten Mal seit vierzehn Jahren wieder eine Großmaulzeitung. Ihr Erscheinen war fast in Frage gestellt wegen einer zur Veröffentlichung vorgesehenen Notiz über einen Wurstwettkampf, deren Veröffentlichung sich der damalige Vorsitzende und der Schriftführer widersetzten. Dabei kam es zu so schwerwiegenden Meinungsverschieden­heiten, dass der Erste Vorsitzende und der Schriftführer - Schriftführer war in diesem Jahr der Schwiegersohn des Ehrenmitgliedes und Herausgeber der Ottweiler Zeitung, Albert Koch - ihre Ämter niederlegten. Auch Albert Koch löste seine Verbindung zu dem Verein. Da sich die Ottweiler Zeitung weigerte, die Großmaulzeitung zu drucken, die Saar- und Blieszeitung auf Betreiben der Ottweiler Zeitung den Druckauftrag am Donnerstag vor Fastnacht zurückgab, wurde sie - buchstäblich in letzter Minute - in Saarbrücken bei der ,,Volksstimme“ gedruckt. Sie fand auf Grund der geschilderten Vorkommnisse reißenden Absatz.

Am Fastnachtsonntag 1928 fand ein großer Umzug statt, der größte, den der Verein seit seinem Bestehen überhaupt veranstaltet hat, zu dem die Genehmigung der damaligen Regierungskommission erst acht Tage vorher eingetroffen war. Durch Spenden der Ottweiler Bürger waren 5.000 Franken -eine für die damalige Zeit große Summe - aufgebracht worden. Nachdem am Vormittag das traditionelle militärische Schauspiel auf dem Schlossplatz glänzender denn je abgerollt war - die Löffelgarde unter dem Kommando des Hauptmanns Wassuis (Christian Weingardt), Inhaber des Himmel-un-Minsche-Ordens, und dem Oberkommando des Generals Emmes von Wohlwollend (Friedrich Naumann, damals Wirt im Jägerhof (bis vor kurzem Filiale der Volksbank im Kreis Ottweiler). -, setzte sich bei herrlichem Wetter um halb zwei Uhr in der Bahnhof- und Viktoriastraße (eine zeitlang Hindenburgstraße) der große Zug in Bewegung. Er nahm seinen Weg durch die Wilhelmstraße (heute Wilhelm-Heinrich-Straße) nach dem Schlossplatz, wo Generalfeldmarschall Blücher (Josef Walter) an derselben Stelle wie vor 115 Jahren an die Bürgerschaft eine Ansprache hielt. Von hier aus ging es bis zur Eisenbahnbrücke in die Ziegelhütte und von da wieder zurück zum Bahnhof, wo sich der Zug auflöste.
Der Zug gliederte sich in einen historischen und einen humoristischen Teil. Nach den Vorreitern, der Musikkapelle in historischen Uniformen, der Löffelgarde mit Marketenderin, folgte der Prinzenwagen, die Wagen des Gefolges, die Wagen der Ottweiler Fürsten, die Wagen der Hofbuchdruckerei, der fürstlichen Porzellanmanufaktur, des Feldmarschalls Blücher und andere. In der humoristischen Abteilung durfte die Hundezuchtanstalt (oder ,,Die Dummen werden nicht alle“) nicht fehlen. Im Ganzen waren es 31 Wagen, an deren Herrichtung die Ottweiler Gewerbetreibenden großen Anteil hatten, und viel, viel Volk, die vor Tausenden begeisterter Zuschauer vorbeidefilierten.

Wendel Back wurde in diesem Jahr zum Ehrenvorsitzenden des Elferrates ernannt.
Für das nächste Jahr plante der Verein einen ähnlichen Umzug unter dem Motto ,,Hochzeitszüge aus alter Zeit in Ottweiler und Umgebung“. Aus Gründen, die im Protokollbuch nicht näher dargelegt werden, wurde dieser Plan nicht weiter verfolgt. Es fand im Jahre 1929 lediglich ein kleinerer, aber sehr schöner Zug, die Hochzeit des Gänsegretels darstellend, statt, der von rund zweihundert Personen gestaltet wurde. Auch in diesem Jahre verfolgten viele Zuschauer, darunter viele Auswärtige, die farbenprächtigen Darbietungen.

Im Jahre 1930 wurde ein gut besuchter Jahrmarkt veranstaltet. Beim Rosenmontagsball war die Blieshalla zu klein.

Am 29. 9. 1932 beteiligte sich der Verein mit drei Wagen an dem großen, von der Stadt Ottweiler veranstalteten historischen Umzug.

1933 sah der Verein von allen Veranstaltungen ab. Am 10. 2. 1933 hatte sich in Neunkirchen die schwere Gasometerexplosion ereignet, bei der auch ein Ottweiler Bürger ums Leben kam.

 Dies ist die letzte Eintragung vor dem zweiten Weltkrieg, geschrieben von dem damaligen zweiten Vorsitzenden Jakob Heß, der für den verzogenen Schriftführer Paul Zimmer das Protokollbuch führte.
Nach der Rückgliederung des Saarlandes 1935 wurde der Verein der NF­ Organisation KdF (Kraft durch Freude) angeschlossen. Dem Vernehmen nach war 1938 noch eine gemeinsame Sitzung und ab 1938/39 hat das Vereinsieben bis zum Ende des zweiten Weltkrieges geruht.

Der Verein traf sich 1946 erstmals wieder zu einem ,,Maskenball ohne Masken“, da durch die Militärregierung Maskierungen verboten waren. Das Verbot traf auch die Löffelgarde, da diese Holzgewehre mit sich führte und Gewehre aller Art nicht getragen werden durften. 1947 hatten sich mit Erich Günther, Erich Steigner, Edmund Figaj und Karl Lauermann Mitglieder des
Vereins im kleinen Kreis getroffen. Aber erst zum 11. 11. 1948 wurde erstmals in die Wirtschaft zum Sportplatz eingeladen (Dieses Lokal wurde jahrzehntelang von Erich Steigner geführt, der längere Zeit Wiegemeister der Stadtwaage war und am Fastnachtsonntag das Prinzenpaar des ,,So war noch nix“ in Gutzier aufzuwiegen hafte.).

Die nächste Eintragung datiert aus dem Jahre 1948. In Simons Saal trafen sich die Mitglieder des Vereins und beschlossen - wie im Jahre 1921 - die Ottweiler Fastnacht trotz der gegenüber 1921 noch mieseren Zeiten wieder ins Leben zu rufen. In diesem Jahre und auch in den folgenden wurde eine Reihe von wohlgelungenen Kappen- und Damensitzungen und Rosenmontagsbälle durchgeführt. Von größeren Veranstaltungen in der Nachkriegszeit sah der Verein jedoch im Hinblick auf das im Jahre 1958 zu feiernde Jubiläum ab.

Da der Sauersch Saal 1939/40 abgerissen worden war, stand dem Verein für seine Zwecke nur noch der Simonsche Saal zur Verfügung, der auch in früheren Jahren schon für karnevalistische Veranstaltungen benutzt wurde, der sich aber schon damals - und erst recht in der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg - als zu klein hierfür erwies. Das Gebäude wurde, nachdem es in den Besitz der Stadt Ottweiler übergegangen war, umgebaut und aufgestockt und erhielt einen großen modernen Festsaal mit Bühne und Empore. In diesem neuen Haus feierte der Karnevalsverein ,,So war noch nix~~ sein 11 jähriges Bestehen, und es war dem Verein eine besonderes Anliegen, in der Festschrift von 1958 all denen zu danken, die sich dafür eingesetzt haben, dass die neue ,,Blieshalla“ allen Widerständen zum Trotz hat gebaut werden können.

Der Umzug 1958 fand am Fastnachtsonntag statt, während wir heute in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung und den örtlichen Vereinen seit Jahren den Umzug an Fastnachtdienstag veranstalten.
Höhepunkte des Vereinslebens sind seit Jahren unsere Prunksitzungen, das närrische Gericht am Rosenmontag sowie der Lumpen- und Nachthemdenball mit anschließender Fastnachtsbeerdigung in Schloßhalla. Beibehalten wie bereits im vergangenen Jahrhundert ist die Truppenparade auf dem Schlossplatz am Sonntagvormittag mit anschließendem Prinzenempfang sowie die Kindersitzung am Sonntagnachmittag.

Uneingeschränkt kann man sagen, dass die Veranstaltungen des ,,So war noch nix“ seit Jahren ein hervorragendes Niveau haben, wenn auch einmal bei Anwesenheit des in Bonn akkreditierten Botschafters von Somalia während eines Auftrittes aus einem Löwe eine Kuh wurde.

Die Großmaulzeitung erfreut sich größter Beliebtheit nicht nur in unserer Stadt. Sie wird am Freitag vor Fastnacht ab 14.00 Uhr verkauft. Dies musste auch ein in Ottweiler wohnhafter Rechtsanwalt erfahren. Bereits für den Skiurlaub über Fastnacht gerüstet, wollte er noch vor 14.00 Uhr auf die Schnelle eine Zeitung in der Ottweiler Druckerei, die diese seit nach dem zweiten Weltkrieg druckt, erwerben. Dieselbige wurde ihm wieder von einer Aktiven abgenommen, da der Verkauf erst um 14.00 Uhr begann. Er weigerte sich dann monatelang, diese Ausgabe zu lesen geschweige denn zu kaufen. Nachdem er über ein halbes Jahr den Präsidenten und einen Beisitzer - beide seit 1968 Redakteure der Großmaulzeitung - mit denen er außerdem sehr gut befreundet ist, nervte, half ihm der Verein auf seine Art. Der ,,So war noch nix“ stellte die Großmaulzeitung dem besagten Anwalt an einem Sonntagvormittag, da der Advokat an diesem Tage sein 35. Wiegenfest feierte, über einen Gerichtsvollzieher um 9.00 Uhr in der Früh zu, kurz bevor das ,,Geburtstagskind“ zu seinem Tennisspiel abfahren wollte. Dem Vernehmen nach hat es ihm nicht nur die Sprache, sondern auch das Tennisspiel an diesem Tage verschlagen.

Nach dem zweiten Weltkrieg hatte der Verein mit seiner Großmaulzeitung keine gerichtlichen Nachspiele. In den 50er Jahren wurde wegen einem Dirigenten eines Ottweiler Chores, der den Spitznamen Kuckuck hatte, der Schiedsmann bemüht. Der gesamte Vorstand war beim erfolgreichen Sühnetermin anwesend. Die ,,So war noch nixer“ ließen es sich nicht nehmen, in der Ausgabe des darauf folgenden Jahres zwar den Veruzten nicht mehr zu erwähnen, jedoch hatte der Hofgrafiker dies mit vielen Vögelchen - einem Kuckuck - auf mehreren Seiten auf seine Art gelöst. Anschreiben von Anwälten oder von angeblich Betroffenen konnten schon in überzeugender juristischer Art im Keim erstickt werden.

Der Verein befürchtete nach der Prunksitzung im Jahre 1984 mit dem Kuh/Löwe-Auftritt einen Rückgang der Besucher. Deshalb wurden die 1982 begonnenen Parkdeckfeste fortgesetzt und ein Kabarettabend initiiert. Beides war hervorragend gelungen und ließen die letzte Prunksitzung vergessen. Nicht nur wegen der Prunksitzung wurde ein Parkdeckfest veranstaltet, denn lange Zeit war das Parkdeck zwischen der Tensch und der Bleichstraße ungenutzt. Um es nur einmal mit Leben zu erfüllen, veranstaltete der Karnevalsverein sein Parkdeckfest am 28. und 29. August 1982. Ihm folgten noch weitere 4 Feste, bis dann das Parkdeck durch die Verlagerung des Rathauses von der Lenn und dem Alten Rathaus am Rathausplatz endlich genutzt wurde.

Um etwas für mehr Kultur im praktischen Sinne zu tun, veranstaltete der Verein in sechs Jahren - erstmals 1984 mit Herbert Bonewitz, der zweimal in dieser Zeit zu uns kam, Jürgen von der Lippe, Thomas Freitag, Lisa Fitz und Gerd Dudenhoeffer Kabarettabende außerhalb der Session. Allein bei Jürgen von der Lippe waren rund 700 Besucher im bis auf den letzten Platz gefüllten Schlosstheater.

Der Verein beteiligt sich jährlich am Altstadtfest und hat hier seinen Stand im Hof des Hessehaus bei den Ehrenmitgliedern Christel und Werner Eich, der zugleich seit Jahrzehnten Hofgrafiker ist und die Orden entwarf.

Seit einiger Zeit finden in Ottweiler im gesamten Jahr Frauenfrühstücke statt. Dies war Anlass für den Karnevalsverein ein Männerfrühstück mit Weib, Wein und Gesang am Fastnachtsamstag ab 11.00 Uhr ins Leben zu rufen. Eine Veranstaltung, die immer mehr Zuspruch findet.

Heute zählt der Verein über 250 Mitglieder und hat rund 100 Aktive. Wobei sich neben Minigarde, Juniorengarde, Prinzengarde, Showtanzgruppe, Playbackshow und den Sponheimerhexen, ein Prinzenrat - er bildet den Elferrat - der Vorstand mit Büttenrednern und Büttensängern um den gesamten Ablauf bemühen. Die Garde trainiert das ganze Jahr über in Turnhallen der Stadt während sich die Büttenredner regelmäßig - ab September alle zwei Wochen am Sonntagvormittag und die Büttensänger ab Oktober wöchentlich in privater Umgebung treffen.

Der ,,So war noch nix“ wird in dieser Session 164  Jahre alt. Das sind 164  Jahre Karneval nicht nur in Ottweiler, sondern auch an der Saar, da er der älteste Karnevalsverein im Bundesland Saarland ist. Der Verein war Geburtshelfer des Saarländischen Karnevalmuseum, welches seinen Sitz über 11 Jahre in dieser Stadt hatte, dann aber anderen Orts untergebracht wurde, da entsprechend geeignete Räume zur Dauernutzung hier nicht freigegeben wurden.

1990 fiel der Umzug aufgrund erheblicher Sturmböen, die auch große Teile der Wälder vernichteten, aus und der für 1991 geplante Umzug wurde wie alle Straßenveranstaltungen, nach einer Empfehlung des Bundes Deutscher Karneval wegen des Golfkrieges abgesagt.

Nachdem das Schlosstheater ab 1995 renoviert wurde, fand im katholischen Pfarrheim mit drei ausverkauften  Sitzungen eine - was die räumlichen Verhältnisse betrifft - Notfastnacht statt. Der Lumpenball mit der Fastnachtbeerdigung wurde in die Turnhalle im Stadtteil Steinbach verlegt.

Im Jahr 2000 feierte der So war noch nix gemeinsam mit der Stadt Ottweiler 750 Jahre Stadtrechte. In einer feierlichen Zeremonie wurden auf dem nur mit Fackeln beleuchteten Schlossplatz, die Übergabe der Stadtrechte nachgespielt.

Im Jahr 2009 trat Ernst Flaccus nach 28jähriger Amtszeit als Vereinspräsident zurück. Ernst Flaccus stand seit 1981 an der Spitze des KV „So war noch nix 1847“. Klaus Lambert wurde von den Aktiven zum neuen Präsidenten gewählt. Als Vizepräsidenten stehen ihm im aktuellen Vorstand Günther Sticher und Thomas Jahn zur Seite.

Ein alter, jedoch was seinen Nachwuchs betrifft, stets junger und ideenreicher Verein. Ein Stück Geschichte und wenn man so will ein bisschen Kulturgeschichte der Stadt Ottweiler. Seine stets ausverkauften Sitzungen waren in den letzten Jahren Höhepunkte im städtischen Vereinsleben. Ein Verein, der Freude bereiten will und auch ein Verein der vielen Besuchern seit Jahrzehnten Freude bereitet hat.